Umschulung nach Arbeitsunfall

Rollstuhl
Foto: RainerSturm / pixelio.de

Gesetzliche Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung ist in Deutschland im siebten Teil des Sozialgesetzbuches geregelt. Dazu gehört die Versicherung gegen Arbeitsunfälle. Arbeitnehmer kommen im Allgemeinen damit nur in Berührung, wenn sie von einem Arbeitsunfall im Betrieb oder in einer Verwaltung betroffen sind. Doch zählen auch Unfälle auf dem direkten Weg von und zur Arbeit dazu.

Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind die Berufsgenossenschaften. Die Beiträge werden im Umlageverfahren von den Arbeitgebern allein aufgebracht. Alle Mitarbeiter sind in der Berufsgenossenschaft pflichtversichert.

Die gesetzliche Unfallversicherung besteht aber auch für Personen außerhalb des Arbeitsbereiches, beispielsweise für betreute Kinder oder Alte oder für Mitarbeiter, die im Interesse der Allgemeinheit tätig sind, wie beispielsweise Unfallhelfer, Blutspender, Zeugen vor Gericht oder Arbeitslose. 

Was deckt die gesetzliche Unfallversicherung ab?

Die Berufsgenossenschaften sind für Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Wegeunfälle zuständig und sorgen dafür, dass die Krankheitskosten gedeckt und die Gesundheit der Versicherten wieder hergestellt werden. Sie sorgen auch für die Unfallverhütung und haben dazu zahlreiche Vorschriften erlassen, die die Arbeitgeber zu beachten haben. Auch die Mitarbeiter müssen aufgeklärt werden und sich daran halten.

Kann die Gesundheit nicht oder nicht vollständig wieder hergestellt werden, sorgen die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung auch dafür, dass der Lebensunterhalt durch Unfall- und Hinterbliebenenrenten gesichert ist. Gegebenenfalls wird auch eine Teilrente gezahlt, und falls der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, sorgen sie auch für eine Umschulung.

Übrigens: wenn der vom Unfall betroffene Mitarbeiter die Arbeit künftig nur noch mit Hilfsmitteln ausüben kann, sind sie auch dafür zuständig. Sie wollen ihm nach Möglichkeit den Arbeitsplatz erhalten, bevor sie ihm eine Umschulung anbieten. 

Umschulung

Wenn nach einem Arbeitsunfall die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann, sorgt die gesetzliche Unfallversicherung für eine Umschulung. Dies ist eine Form der Weiterbildung, die die Kenntnisse vermittelt, die für eine bisher nicht ausgeübte Tätigkeit erforderlich sind. Die Umschulung kann im bisherigen Betrieb, in einer Schule oder auch überbetrieblich bei privaten Trägereinrichtungen erfolgen. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung.

Betriebliche Umschulung

Die Möglichkeit der Umschulung im bisherigen Betrieb oder für eine weitere Tätigkeit hier wird von der Berufsgenossenschaft als erstes geprüft. Denn hier können die betrieblichen Kenntnisse des Mitarbeiters weiter genutzt werden, die er sich an einem anderen Arbeitsplatz erst wieder erarbeiten müsste.

Beispielsweise könnte ein bisher mit Einlegearbeiten an einer Maschine Beschäftigter, die er nicht mehr ausüben kann, künftig eine Maschine bedienen, bei der sich seine Einschränkungen nicht auswirken. Dazu benötigt er vielleicht Programmierkenntnisse. Dann sorgt die Berufsgenossenschaft für den notwendigen Programmierkurs. Oder der Einsatz ist nicht mehr im Betrieb, aber noch in der Arbeitsvorbereitung möglich. Auch dann sorgt sie dafür, dass das Unfallopfer die erforderlichen zusätzlichen Kenntnisse und Qualifikationen erwerben kann. 

Außerbetriebliche Umschulung

Es kann aber auch sein, dass im bisherigen Betrieb kein geeigneter Arbeitsplatz vorhanden ist. Auch hier ein Beispiel. Ein bisher an einer CNC-Maschine beschäftigter Mitarbeiter ist künftig auf den Rollstuhl angewiesen und kann deshalb die Arbeit nicht mehr ausüben. Ein anderer mit dem Rollstuhl erreichbarer Arbeitsplatz steht nicht zur Verfügung. Hier sorgt die Berufsgenossenschaft durch eine Umschulung in einer Bildungseinrichtung beispielsweise dafür, dass der Mitarbeiter zusätzliche Programmierkenntnisse erwirbt, sodass er in einem anderen Unternehmen als Programmierer Arbeit finden kann.

Derartige Umschulungen können auch zu einem völlig neuen Beruf führen. Wenn die körperlichen Fähigkeiten beispielsweise so eingeschränkt sind, dass eine bisher in der Produktion beschäftigte Mitarbeiterin nur noch in der Verwaltung tätig sein kann, sorgt die Berufsgenossenschaft durch die Umschulung zur Bürokauffrau dafür, dass sich neue berufliche Perspektiven öffnen.
Ist der Lebensunterhalt gesichert?

Schon während der Wiedereingliederung nach einem schweren Arbeitsunfall ist die Berufsgenossenschaft mit von der Partie. Kann beispielsweise die Arbeit erst wieder nach und nach voll ausgeführt werden, wird während dieser Phase das Krankengeld teilweise weiter gezahlt. Kommt es zu einem dauerhaften Verdienstausfall, dann kann dieser durch eine Unfallrente zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Auch während der Umschulung sorgt die Unfallversicherung für den Lebensunterhalt. Dieses Umschulungsgeld orientiert sich am vorherigen Nettoeinkommen.
Sollte der Unfall von der Berufsgenossenschaft nicht als Arbeitsunfall anerkannt werden, kommt eventuell die Agentur für Arbeit für die Umschulung auf, wenn dadurch eine Wiedereingliederung in das Berufsleben möglich ist.

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