US-Präsident beneidet Deutschland um duale Ausbildung

Obama lobt deutsches Ausbilungssystem
Obama als Kandidat in Berlin 2008. Lob für Deutsches Ausbildungssystem in der Antrittsrede zur zweiten Amtszeit. Matthias Winkelmann / wikimedia / cc-by 2.0

„Diese deutschen Kids sind bereit für den Job, wenn sie die Schule abschließen“ mit diesem Satz lobte US-Präsident Barack Obama die duale Berufsausbildung hierzulande. So positiv und einfach, wie der Präsident der Amerikaner die Situation darstellt, ist sie jedoch leider nicht.

In seiner „Rede zur Lage der Nation“ betonte der US-Präsident vergangen Woche, dass die Deutschen Jugendlichen bereits in der Schule gezielt auf ihre späteren Jobs vorbereitet würden. Obama meint damit das duale Ausbildungssystem, dass Deutschland im Gegensatz zu den USA hat. In Amerika gibt es nur die betriebliche Ausbildung und auch kein Fachabitur. Die Spezialisierung auf eine Fachrichtung ist erst auf dem sogenannte Community College nach der Highschool möglich.

Immer mehr Abiturienten schließen an die Hochschulreife eine Ausbildung an

Obwohl Obama mit seinem Lob im Kern recht hat, hat auch das duale System seine Schwächen. In der Realität wird nämlich auch in Deutschland fast immer ein allgemeiner Schulabschluss benötigt, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Sogar immer mehr Abiturienten entschließen sich dazu eine Ausbildung zu machen, obwohl sie formal die Berechtigung für die Zulassung an einer Hochschule haben, wie aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Demnach hat die Zahl der Azubis mit Abi seit 2005 stetig zugelegt, von 17,7 Prozent (2005) auf 21,1 Prozent (2012).

G8 und Aussetzen der Wehrpflicht führen zu noch nie da gewesenem Ansturm an Bewerbern

Dies liegt in erster Linie aber nicht daran, dass die duale Ausbildung attraktiver geworden ist, sondern an den doppelten Abiturjahrgängen und der Abschaffung der Wehrpflicht. Somit stehen die deutschen Universitäten derzeit vor einem noch nie da gewesenen Ansturm an Erstsemestrigen. Aus Angst keinen Studienplatz zu finden weichen viel Abiturienten deswegen auf eine Ausbildung aus.

Das macht es wiederum für Real-, Hauptschüler und Bewerber, die keinen Abschluss vorweisen, können schwerer einen Ausbildungsplatz zu finden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben Rund die Hälfte aller Azubis derzeit einen Realschulabschluss, ca. ein Viertel den Hauptschulabschluss und nur 2,6 Prozent der Auszubildenden haben gar keinen Schulabschluss.

Viele Jugendlichen finden nicht direkt eine Lehrstelle

Bedenklich ist dabei, dass Jahr für Jahr mehr Jugendliche im sogenannten Übergangsbereich landen, weil sie keine Lehrstelle finden. Wer „auf dem Abstellgleis gelandet ist“, besucht oft Weiterbildungsmaßnahmen um die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz zu steigern. Vor allem Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss haben es meist schwer auf Anhieb einen Ausbildungsplatz zu finden. Rund die Hälfte der Wartenden hat demnach diesen Schulabschluss. Jeder Vierte der warten muss hat einen Realschulabschluss und sogar 1,5 Prozent der Hoch- und Fachhochschulabsolventen wurde bei der Stellensuche nicht direkt fündig.

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