Maßnahme gegen Fachkräftemangel in der Pflege: Bundesregierung macht verkürzte Ausbildung möglich

Die Pflegeausbildung soll reformiert werden.
Die Pflegeausbildung soll reformiert werden. Foto: istockphoto

Verkürzte Ausbildungszeiten und eine verstärkte Förderung von Weiterbildung und Umschulung – das sind die Maßnahmen, die jetzt im Bundestag verabschiedet wurden um dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken. Ob diese jedoch wirklich ausreichen, das bezweifeln zumindest Gewerkschaften und Pflegeverbände.

In der Pflegebranche herrscht schon jetzt akuter Fachkräftemangel – schätzungsweise 14.000 Stellen sind derzeit offen. Durch den demografischen Wandel und die Aussetzung der Wehrpflicht wird sich die Lage in Senioren- und Pflegeeinrichtungen in den nächsten Jahren wohl dramatisch zuspitzen. Die Bundesregierung steuert jetzt mit einem Gesetz zur Verkürzung der Ausbildungszeit entgegen.

Der Gesetzesinitiative zufolge soll die Ausbildungszeit künftig um ein Drittel von drei Jahren auf zwei Jahre reduziert werden können – allerdings nur mit entsprechender Vorbildung. So sollen in den nächsten Jahren jeweils 10 Prozent mehr Auszubildende ihre Lehre abschließen. Ergänzend sollen rund 4.000 Pflegehelfer zu Pflegekräften umgeschult werden.

Auch Umschulung soll in Zukunft stärker gefördert werden

Unterstützung wird es speziell für Umschulungswillige geben. So soll die Bundesagentur für Arbeit in Zukunft die gesamten Kosten für eine Umschulung oder Weiterbildung zum Altenpfleger übernehmen.

Der Bundestag hat der Gesetzesnovelle bereits verabschiedet, die Abstimmung im Bundesrat steht noch aus.

Ver.di hält die Pläne der Bundesregierung für unzureichend, Diakonie sorgt sich um die Qualität der Ausbildung

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisiert diese Pläne zwar nicht im Kern, fordert jedoch umfassendere Maßnahmen. So müsse die Attraktivität der Pflegeberufe insgesamt gesteigert werden, um langfristig dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Ver.di fordert die Rahmenbedingungen bei Pflegeberufen grundsätzlich zu verbessern. Sowohl was die Entlohnung als auch was die Arbeitsbedingungen angeht. Ein mögliches Refinanzierungsmodell könnte nach Angaben von ver.di die Einführung einer Pflegevollversicherung sein. So würden auf der einen Seite Angehörige entlastet und auf der anderen Seite die finanzielle Ausstattung in der Pflege verbessert.

Kritik kommt auch von Seiten der Pflegeverbände, die befürchten, dass die Verkürzung der Ausbildung zu Lasten der Qualität geht. Dabei geht es nicht nur um einen quantitativen Fachkräftemangel, sondern auch darum, die Qualität der Pflege sicherzustellen. So sagte Heidemarie Rotschopf von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe dem WDR, zur Altenpflege gehöre auch Idealismus. Dieser werde bei vielen Bewerbern vermisst.

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