Referendariat

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Foto: Lars Haberl / pixelio.de

Nach dem Jurastudium oder einem Lehramtsstudium ist die Ausbildung für diese beiden Berufsgruppen noch nicht abgeschlossen. Es folgt das Referendariat. Unter einem Referat wird gemeinhin der Vorbereitungsdienst für eine Laufbahn im höheren Dienst verstanden. Grundsätzlich dauert das Referendariat zwei Jahre und ergänzt das Universitätsstudium durch eine praktische Ausbildung.

Für den Einstieg ins Referendariat wird ein mindestens dreijähriges Hochschulstudium vorausgesetzt, welches mit dem ersten Staatsexamen oder einem vergleichbaren akademischen Abschluss beendet wurde.

Die größten Gruppen der Referendare bilden die Rechts- und die Lehramtsreferendare. Es gibt aber beispielsweise auch technische oder wissenschaftliche Referendare. Wer sich um ein Referendariat bewerben will, muss verschiedene Schritte durchlaufen:

  1. Die Wahl des Bundeslandes
  2. Bewerbung beim Oberlandesgericht (Rechtsreferendariat), Landesschulbehörde (Lehramtsreferendariat)
  3. Warten auf einen Referendariatsplatz  

Das Lehramtsreferendariat

Das Ziel des Lehramts-Referendariats die wissenschaftliche Ausbildung durch das Studium durch praktische Inhalte zu ergänzen. Besonderes Augenmerk wird hier auf pädagogische Erfahrungen und Inhalte gelegt. Außerdem soll die Unterrichtsplanung erlernt und die Stressresistenz getestet werden.

Die Dauer des Referendariats beträgt grundsätzlich zwei Jahre. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Sachsen dauert das Referendariat nur 18 Monate, beziehungsweise nur ein Jahr in Sachsen. Hier wird die praktische Zeit, die von den jeweiligen Bundesländern im Studium festgeschrieben ist, auf die Referendariatszeit angerechnet. Auch in Nordrhein-Westfalen und Hamburg dauert das Referendariat in der Regel nur eineinhalb Jahre.

Das Referendariat gliedert sich in eine Hospitationsphase, den Ausbildungsunterricht und schließlich den eigenständigen Unterricht. Neben den Schulphasen gibt es auch Seminare, die bestimmte Inhalte weiter vertiefen. Das Referendariat wird mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen.

  1. Hospitationsphase: Die Hospitationsphase dauert zwischen zwei und sechs Monaten. In dieser Zeit hospitieren die Referendare im Unterricht. Meistens begleiten sie verschiedene Lehrer und lernen so auch verschiedene Altersstufen kennen. Referendare mit hohem Praxisanteil im Studium unterrichten manchmal auch von Anfang an selbstständig.
  2. Ausbildungsunterricht: Im Ausbildungsunterricht gestalten die Referendare eigenständig ihre Unterrichtsstunden. Allerdings ist immer ein Lehrer anwesend, der dem Referendar auch bei Fragen und Problemen zur Seite steht. Vor und nach der Unterrichtsstunde wird die Arbeit des Referendars mit dem Fachlehrer besprochen. Der Ausbildungsunterricht kann parallel zum eigenständigen Unterricht bis zum Ende des Referendariats andauern.
  3. Eigenständiger Unterricht: Der Referendar übernimmt alle Aufgaben eines Lehrers. Das bedeutet die eigenständige Planung des Unterrichts, Gestaltung und Durchführung von Tests und Klassenarbeiten (inklusive Benotung) und die Beratung von Eltern beim Elternsprechtag. Der eigenständige Unterricht umfasst ein Wochenpensum zwischen acht und siebzehn Stunden.
  4. Das Referendariats-Gehalt liegt in Deutschland zwischen 1.043,39 und 1.072,89 Euro brutto. Hinzukommt ein Familienzuschlag bei verheirateten Referendaren. Die Steuerlast bei Referendariats-Absolventen ist sehr gering, sie liegt bei circa 40 Euro im Monat. 

Das Rechtsreferendariat

Wie beim Lehramtsreferendariat erfolgt auch für Juristen die weitere Ausbildung über ein Referendariat. Dieses dauert ebenfalls zwei Jahre und schließt mit dem zweiten Staatsexamen ab. Vom Oberlandesgericht, welches dem Referendar zugewiesenen wird, wird ein Landgericht als Stammdienststelle bestimmt. Auch das Rechtsreferendariat ist in verschiedene Ausbildungsphasen gegliedert:

Zivilisation: Die erste Station des Rechtsreferendariats ist eine sogenannte Zivilisation, meist bei einem Amts- oder Landesgericht. Dort wird ein zwei- bis vierwöchiger Einführungslehrgang absolviert.

  1. Strafstation: Hier wird ein Einblick in eine Staatsanwaltschaft oder ein Strafgericht gegeben.
  2. Verwaltungsstation: Die üblicherweise dritte Station des Referendariats wird im Verwaltungsgericht abgeleistet. Es eignen sich aber auch Behörden wie ein Schulamt oder ein Landratsamt. Außerdem kann die Verwaltungsstation auch als Zusatzstudium bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer abgeschlossen werden.
  3. Anwaltsstation: Die Hospitanz, beispielsweise in einer Anwaltskanzlei, kann je nach Bundesland auch geteilt absolviert werden. Das heißt vor und nach der Verwaltungsstation.
  4. Wahlstation: Hier kann der Referendar sich seine Ausbildungsinstitution meistens frei wählen. Außerdem kann an dieser Stelle auch ein Auslandsaufenthalt eingebaut werden.

Die einzelnen Prozessordnungen des Zivil-, Straf- und Verwaltungsrechts werden bei Arbeitsgemeinschaften während der gesamten Referendariatszeit vertieft. Diese werden von in den meisten Bundesländern beim Landgericht abgehalten und bereitet auf die, nach der Wahlstation folgenden mündlichen Prüfung vor.
Beim Rechtsreferendariat ist es möglich, dass man nicht sofort einen Platz für ein Referendariat zugesichert bekommt. Die Wartezeit ist von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlich und erstreckt sich auf einen Zeitraum zwischen einem halben Jahr und über zwei Jahren. Am längsten ist die Wartezeit in Berlin, Hamburg und Bremen. Hier müssen Referendare um die zwei Jahre warten. In Brandenburg und Rheinland-Pfalz liegen die Wartezeiten bei rund sechs Monaten. Derzeit kann nur in Thüringen oder Bayern auf einen direkten Einstieg in das Referendariat gehofft werden.

Das Gehalt während des Referendariats hängt vom Bundesland ab. Es liegt meistens zwischen 900 und 1.000 Euro brutto.
Wichtige Bewerbungsunterlagen sind

  • Lebenslauf, inklusive Passfotos
  • Beglaubigte Kopie des Zeugnisses des ersten Staatsexamens
  • Geburtsurkunde und Ausweisdokument (beglaubigte Kopie)
  • Führungszeugnis
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