Gehaltsverhandlungen

gehaltsverhandlung
Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Nur wenige Berufseinsteiger und Hochschulabsolventen haben Erfahrungen mit Gehaltsverhandlungen. Eine optimale Vorbereitung kann helfen, sich im Vorstellungsgespräch gut zu verkaufen und die eigenen Gehaltsziele zu erreichen.

Nicht immer ist weniger mehr

Im Vorstellungsgespräch wie bei späteren Gehaltsverhandlungen zählt das selbstbewusste Auftreten. Zudem erwarten die meisten Arbeitgeber von ihren Bewerbern, dass sie fähig sind, ihren Marktwert einzuschätzen und zu verhandeln. So macht bereits die Äußerung eines Gehaltswunsches deutlich, wie jemand die eigene Leistungsfähigkeit einschätzt: Wer sehr wenig Geld verlangt, wurde vielleicht schon von mehreren Unternehmen abgelehnt und wird deshalb auch beim jetzigen potentiellen Arbeitgeber schlechtere Karten haben. Wer es dagegen schafft, den Eindruck eines begehrten Arbeitnehmers zu hinterlassen, weckt das Interesse der Einsteller. Letzteres kann sich positiv auf das Einstiegsgehalt auswirken.

Grundsätzlich gilt für Berufseinsteiger, dass sie einen eher geringen Verhandlungsspielraum bezüglich des Einstiegsgehalts haben. Denn häufig wissen die Unternehmen sehr genau, wie viel sie beispielsweise einem Hochschulabsolventen zu zahlen bereit sind und weichen nur in Ausnahmefällen von ihren Vorstellungen ab. Trotz allem nötigen Selbstbewusstsein in den Verhandlungen ist daher nicht ratsam, überzogene Gehaltsforderungen zu stellen. Andere Bewerber mit gleicher Qualifikation und geringeren Forderungen könnten sonst den Vorzug erhalten. Oder die überhöhten Gehaltsansprüche werden als mangelndes Feingefühl ausgelegt. Dies könnte Einsteller zum Beispiel darauf schließen lassen, dass die Fähigkeiten des Bewerbers im Umgang mit Kunden nicht ausreichen. 

Die Balance zwischen selbstbewusstem Auftritt und angemessenen Vorstellungen finden

Wie lassen sich nun aber selbstbewusstes Auftreten und angemessene Gehaltsforderungen miteinander vereinbaren? Hierzu ist es wichtig, den eigenen Marktwert zu kennen. Dieser wird von einer ganzen Reihe von Faktoren bestimmt, was eine Einschätzung nicht gerade einfacher macht. Eine grundsätzlich hohe Bedeutung haben zum einen Eignungsfaktoren wie Hochschulausbildung (Fach, Hochschule, Abschluss, Dauer), Praktika und Praxiserfahrung. Zum anderen aber auch externe Faktoren wie die Anzahl der Mitbewerber, die Branche und Region sowie die Größe des Unternehmens. In vielen Fällen ist das Gehalt zudem davon abhängig, wie hoch der Verantwortungsbereich der Arbeitsstelle ist. 

Wie viel Gehalt ist üblich – wo Du Dich am besten über Einstiegsgehälter informierst

Um zu einer realistischen Einschätzung des eigenen Marktwerts zu gelangen, helfen neben einer Erörterung der genannten Faktoren verschiedene Informationsquellen. Zu den wichtigsten Quellen zählen die regionale und überregionale Presse, Gehaltsvergleiche im Internet, der eigene Freundeskreis und weitere Organisationen. In der Presse können Bewerber auf Gehaltstabellen zurückgreifen, die von bewährten Vergütungs- und Personalberatungen erstellt werden und einen Überblick geben über die verschiedensten Berufe und Gehälter. Kostenpflichtige Gehalt-Checks im Internet sind vor allem dann sinnvoll, wenn das eigene Berufsprofil weniger speziell ist. Nur dann können die Anbieter auf eine ausreichend große Datenmenge zur Beurteilung zurückgreifen. Grundsätzlich gilt: Je spezieller der Berufswunsch, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, belastbare Zahlen zu bekommen. Als Ergänzung kann der Austausch mit Freunden dienen, wobei zu beachten ist, dass einzelne Gehaltsangaben kein umfassendes Bild ergeben. Sinnvoller ist es bei Kammern, Berufsverbänden oder Gewerkschaften nachzufragen, wie viel Einsteiger in der jeweiligen Berufsgruppe verdienen.

Wer sich im Vorfeld eines Einstellungsgesprächs über seinen Marktwert informiert hat, kann mit einem sicheren Gefühl in die Gehaltsverhandlungen gehen. Diese sollten dann jedoch nicht an erster Stelle stehen. Viele Unternehmen suchen motivierte und engagierte Mitarbeiter, denen es in erster Linie um die Arbeit und nicht ums Geld geht. So ist es in Deutschland unüblich, dass die Bewerber das Thema Gehalt ansprechen. Besser ist es, darauf zu warten, dass die Einsteller die Gehaltsverhandlungen eröffnen. Das findet meist in der zweiten Vorstellungsrunde statt. Erst dann ist es ratsam, den Gehaltswunsch als Jahresbruttogehalt zu präsentieren. Kann dieser nicht erfüllt werden, sollte nach den Gründen gefragt werden – vor allem wenn das Angebot deutlich unter der üblichen Bezahlung liegt. Wer in diesem Fall die Stelle trotzdem annimmt, kann beispielsweise nach der Probezeit auf eine weitere Verhandlungsrunde hoffen.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.