ALG II im Praktikum

Entscheidung
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Sie sorgen immer wieder für Ärgernis, die Regelungen zum ALG II während eines Praktikums. Da gibt es zunächst den Absolventen eines Studiums, der seinen Bachelor in der Tasche hat, aber in einigen Monaten mit dem Master-Studium beginnen möchte. Für die Zwischenzeit kann er, falls die Voraussetzungen gegeben sind, ALG II erhalten und so seinen Lebensunterhalt bestreiten. Natürlich bietet es sich an, während dieser Zeit ein Praktikum zu absolvieren, wenn kein geeigneter Job zur Überbrückung zur Verfügung steht.

Oder aber der Empfänger von ALG II, der während seiner Arbeitslosigkeit ein Praktikum absolvieren möchte, um sein Wissen nicht nur zu erhalten, sondern möglichst noch zu verbessern. Darf er das Geld, das er für seine Dienste während seines Praktikums erhält, behalten?

Meist handelt es sich ja nur um eine geringe Vergütung, und oft genug liegt der Verdienst unter der 450-Euro-Grenze und zählt deshalb als Minijob. Bis einschließlich 2012 lag sie noch bei 400 Euro. Wie Zuverdienste und Praktika sich genau auf den Bezug des Arbeitslosengeldes II auswirken, erfährst Du hier. 

Der Grundsatz beim ALG II: Verdienst wird angerechnet

Die grundsätzliche Regelung der Bundesagentur für Arbeit (hier finden Sie Näheres) ist eindeutig: Beim ALG II sind nur die ersten 100 Euro anrechnungsfrei. Von jedem Euro, der darüber hinaus verdient wird, behält die Bundesagentur für Arbeit 80 Prozent ein. Lediglich die restlichen 20 Prozent verbleiben dem Arbeitslosen, der über 450 Euro verdient, von seinem zusätzlichen Geld. Dennoch haben Hartz IV-Empfänger mehr Geld in der Tasche als ohne Job.

Ob es sich dabei um einen Minijob mit einem Verdienst bis zu 450 Euro (seit dem 1. Januar 450 2013) handelt oder um einen höheren Verdienst, ist dabei ohne Belang. Bis zu 450 Euro ist der Arbeitslose allerdings unterm Strich besser gestellt, weil der Arbeitgeber sämtliche Sozialversicherungsbeiträge und auch die Lohnsteuer pauschal zu bezahlen hat. Das gilt für einen normalen Minijob ebenso wie für ein Praktikum. 

Praktika müssen genehmigt werden

Wer während des Bezugs von ALG II ein Praktikum absolvieren möchte, muss dies zuvor mit der Arbeitsverwaltung abklären. Das gilt für Absolventen ebenso wie für jeden anderen ALG-Empfänger. Grundsätzlich wird es zwar gerne gesehen, wenn sich der Arbeitslose durch ein Praktikum auf dem neusten Stand halten oder sogar seine Kenntnisse erweitern möchte. Aber bei der Anrechnung des Verdienstes gibt es keinen Pardon.

Wer ein Praktikum absolviert, steht der Vermittlung nicht zur Verfügung. Dies ist der Grund, weshalb ein Praktikum genehmigt werden muss, da sonst der Anspruch auf das ALG II verloren gehen kann, zumindest für die Zeit des Praktikums. Der Maßnahmenvertrag, der zwischen dem Leistungsträger und dem Arbeitgeber darüber abgeschlossen wird, stellt andererseits sicher, dass der Arbeitslose sein ALG II weiter erhält und er beim Arbeitgeber gegen Arbeitsunfälle versichert ist.

Außerdem erstattet der Leistungsträger die Fahrtkosten und eventuell auch die erforderliche Arbeitskleidung, wenn diese Aufwendungen nicht vom Arbeitgeber getragen werden. Damit handelt es sich offiziell um eine Eingliederungsmaßnahme zur Eignungsfeststellung nach dem Sozialgesetzbuch.

Ein nicht genehmigtes Praktikum ist strafbar! Gleichgültig, ob es sich um ein bezahltes oder unbezahltes Praktikum handelt – ohne vorherige Genehmigung kann es strafbar sein. Denn während dieser Zeit bezieht der Arbeitslose ALG II, obwohl er dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. 

Informationsliteratur

Unbezahltes Praktikum

Bei einem unbezahlten Praktikum wird ohne eine entsprechende Aufwandsentschädigung gearbeitet – trotzdem muss es genehmigt werden. Grund dafür ist, dass der Praktikant dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht und trotzdem ALG II bezieht.

Ohnehin sollte man mit unbezahlten Praktika vorsichtig sein. Ein kurzes kostenloses Praktikum ist in manchen Fällen noch sinnvoll, aber auch bei den Arbeitgebern gibt es schwarze Schafe, die arbeitslose Absolventen gerne umsonst arbeiten lassen. Von solchen Praktika sollte grundsätzlich Abstand genommen werden. Zwar sind vor allem Absolventen, die nicht gleich einen Job finden und deswegen auf ALG II angewiesen sind, oft dazu bereit auch kostenlos ein Praktikum zu absolvieren, doch ist diese Hoffnung meist an eine spätere Festanstellung geknüpft. Meist dienen kostenlose Praktika von Absolventen jedoch lediglich dazu, einen vollen Mitarbeiter zu ersetzen und somit Geld einzusparen.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.