Chancen, Aussichten und Risiken

Über die Logistikbranche lässt sich zu Recht behaupten, dass sie Zukunft hat. Angesichts einer zunehmend globaler werdenden Welt steigt auch der logistische Aufwand stetig. Nicht nur Waren und Güter werden heute rund um die Welt verschickt, auch der Personenverkehr ist heute auf ein bislang nicht gekanntes Maß angewachsen. Transportiert wird über Luft, Wasser und Land. In Deutschland ist die Logistik die drittgrößte Wirtschaftsbranche und beschäftigt über 2,7 Millionen Menschen. Zwar gibt es in der Branche auch immer ein gewisses Risiko, da sie von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – insbesondere dem Export – abhängig ist, dennoch sind die Prognosen gut. 2011 war das bisher umsatzstärkste Jahr. Ein Ende des Logistik-Booms ist bislang nicht in Sicht. Allerdings könnten steigende die steigenden Energiekosten der Branche in den nächsten Jahren zu schaffen machen.

Was bedeutet eigentlich Logistik? Über eine genaue Definition streiten sich selbst Fachleute. Sicher ist, dass Logistik nicht nur den Transport und Verkehr umfasst wie allgemein meist angenommen wird. Ebenso bietet die Branche weit mehr Berufsmöglichkeiten als jene, die auf der Hand liegen. Grob zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die Logistik damit beschäftigt eine Ware (oder Person) in einer festgelegten Zeit und Qualität an einen bestimmten Ort zu bringen. Dafür sind Fachkräfte in der Planung, aber auch der Ausführung von logistischen Leistungen nötig.

Einsatzgebiete finden sich vor allem in Logistikzentren, bei Speditionen, in der Personenbeförderung sowie Straßen- und Autobahnmeistereien. Wie Du siehst, bietet Dir diese Branche eine Vielzahl an unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Zunächst stehst Du vor der Entscheidung, ob Du Deine Ausbildung am liebsten auf dem Wasser, auf Schienen, in der Luft oder auf der Straße absolvieren möchtest. Diese Bereiche unterteilen sich weiter in kaufmännische, serviceorientierte und technische Berufe.

Allgemein lässt sich festhalten, dass für Dich ein Beruf im Bereich Verkehr und Transport infrage kommt, wenn Du Talent für Organisation mitbringst und Dich gerne mit Zahlen und Menschen beschäftigst.  

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für Berufe in der Branche sind unterschiedlich und hängen davon ab, wofür Du Dich entscheidest. Da die Logistikbranche so groß gefasst ist, gibt es sowohl für Gymnasiasten, aber auch Haupt-und Realschüler gute Chancen eine Ausbildung zu absolvieren. Damit mehr Jugendliche den Weg in die Transport- und Verkehrsberufe finden, unterstützt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Initiative „Hallo, Zukunft!“, die dabei helfen soll, Nachwuchs für die Verkehrs- und Logistikbranche zu begeistern. Jedoch solltest Du bedenken, dass Du für den Verkehr nicht nur bestimmte körperliche Eignungen mitbringen solltest, sondern, je nach Ausbildung, auch ein gewisses Alter. Zum Beispiel ist es möglich die Ausbildung zum Berufskraftfahrer schon mit 16 Jahren zu beginnen, aber die erforderlichen Führerscheine kannst Du zum Teil erst mit 18 oder sogar erst mit 21 erlangen. 

Ausbildung und Tätigkeiten

Die Ausbildung erfolgt zumeist im Dualen System, das heißt, dass Du einerseits in der Berufsschule lernst, aber ebenso direkt im Betrieb eingesetzt wirst. Die Dauer der Ausbildung beträgt zwei bis drei Jahre. Auch gibt es Ausbildungen im Bereich der Logistik, die rein schulisch absolviert werden. Beachte, dass Du bei dieser Art deiner Ausbildung kein eigenes Geld verdienst. Allerdings kannst Du staatliche Hilfen beantragen.

Ausbildungen mit dem Hauptgewicht Logistik legen vor allem Wert auf Organisations- und Verwaltungsgeschick. Ähnlich sieht es im Bereich des Kaufmännischen aus, denn auch dort muss viel organisiert, geplant und berechnet werden. Deswegen solltest Du Büroarbeit zu schätzen wissen, wenn Du Dich für diese Richtung entscheidest. Auch technisch anspruchsvolle und praktische Berufe finden sich im Tätigkeitsbereich. 

Auf dem Wasser

Wenn Du gerne auf dem Wasser bist oder Dich für den Schiffverkehr interessierst, könnte eine Ausbildung zum Binnen- oder Hafenschiffer genau das richtige für Dich sein. Diese duale Ausbildung dauert drei Jahre und wird von Reedereien durchgeführt. Du solltest kontaktfreudig sein und im Umgang mit den Waren zuverlässig und verantwortlich, außerdem ist auch ein Interesse an Technik und Handwerk von Bedeutung. Da die Ausbildung zum Teil auf Schiffen stattfindet, musst Du unbedingt Seetauglichkeit mitbringen. Von den 139 Auszubildenden im Bereich der Binnenschifferei hatten etwa 33 Prozent der Auszubildenden 2010 einen Hauptschulabschluss. Bei den 24 Hafenschiffern belief sich diese Zahl sogar auf etwa 50 Prozent.

Möchtest Du zwar mit Schiffen und dem Wassertransportweg zu tun haben, aber nicht selbst aufs Wasser wollen, dann kommt für Dich eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann infrage. Auch diese Ausbildung dauert drei Jahre und ist dual angelegt. Arbeit findet sich unter anderem bei Linienunternehmen. Dort bist Du damit beauftragt, Kunden zu beraten, Daten zu berechnen und Verträge abzuschließen. Wichtig sind Fremdsprachenkenntnisse, da viele der Verhandlungen auf Englisch oder anderen Sprachen geführt werden müssen. Von den 345 Auszubildenden starteten 2010 88 Prozent mit der Hochschulreife in die Ausbildung.

Auf Schienen

Der wohl beliebteste Beruf in diesem Bereich ist der des Lokführers. Um als Lokführer arbeiten zu können, musst Du zunächst eine Ausbildung als Eisenbahner im Betriebsdienst absolvieren. Deine Aufgaben bestehen darin, Züge mit Waren oder mit Menschen zufahren. Aber auch die Möglichkeit im Rangierbetrieb, im Stellwerk oder in der Kundenbetreuung zu arbeiten ist als Eisenbahner gegeben. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird dual absolviert. Mitbringen solltest Du Organisationstalent und ein gutes Ausdrucksvermögen. 2010 sind von den 612 Auszubildenden 62 Prozent mit der mittleren Reife in die Ausbildung gestartet.
Wenn Du Dich eher für einen handwerklichen Beruf im Zusammenhang mit Schienen interessierst, dann könnte Gleisbauer etwas für Dich sein. Dabei werden neue Schienen verlegt, kontrolliert und Mängel behoben. Auch diese Ausbildung dauert drei Jahre und wird im Dualen System vermittelt.

In der Luft

Ein Beruf, der in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist der des Flugbegleiters. Hierfür ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, aber größtenteils werden Bewerber mit Realschulabschluss genommen. Außerdem werden Bewerber bevorzugt, die bereits eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich des Service haben. Da es sich hierbei nicht um eine bundesweit geregelte Ausbildung handelt, wird die Dauer durch die einzelnen Unternehmen bestimmt.

Anders sieht es bei der Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann aus. Diese dauert drei Jahre und erfolgt dual. Mindestanforderung ist die Mittlere Reife. 2010 hatten jedoch alle der 36 Auszubildenden die Hochschulreife. Bei diesem Beruf ist es möglich, sich im Bereich Personenbeförderung oder im Marketing und Rechnungswesen zu spezialisieren. Aufgaben sind unter anderem Flugpläne zu erstellen, die Betankung der Flugzeuge zu planen oder Frachtraum in Flugzeugen zu verkaufen. Bei diesen Tätigkeiten ist es wichtig, dass die Auszubildenden ein großes Organisationstalent mitbringen, aber auch freundlich im Umgang mit Kunden sind und geschickt im Verhandeln sind.

Auf der Straße

Auf dem Transportweg Straße gibt es ebenfalls zahlreiche Berufsmöglichkeiten. Eine Ausbildung ist hier die zum Berufskraftfahrer im Personenverkehr. Der Beruf erfordert dabei einiges mehr, als Menschen von A nach B zu bringen: Wichtig ist Belastbarkeit und Gelassenheit, auch in stressigen Situationen, Freundlichkeit im Umgang mit den Fahrgästen sowie Zuverlässigkeit. Neben dem Fahren sind Berufskraftfahrer auch dafür zuständig, ihr Fahrzeug vor der Fahrt auf Mängel und Schäden zu untersuchen. Arbeit findet sich etwa bei Busunternehmen und Verkehrsbetrieben. Von 2.466 neuen Auszubildenden im Jahr 2010 hatten 62 Prozent einen Hauptschulabschluss.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Ausbildung zum Kaufmann für Kurier-, Express- und Postleistungen. Als solcher bist Du für die Beratung von Kunden zuständig, berechnest und informierst über Preise und unterschiedliche Wege des Transports. Auch als Kaufmann in diesem Bereich ist es wichtig, gut organisiert und kommunikationsstark zu sein.

All diese Berufe sind nur Ausschnitte aus dem breiten Spektrum, dass die Logistik zu bieten hat. Falls Du noch Zweifel hast, welcher Beruf zu Dir passt, findest Du Unterstützung bei Berufsberatungen. Hier können Dir auch deine individuellen Möglichkeiten besser aufgezeigt werden.

Anzeige