Arbeitsmarkt und Aussichten

Die Textil- und Bekleidungsbranche bietet als zweitgrößte Konsumgüterbranche in Deutschland eine Vielzahl an Ausbildungsmöglichkeiten. Es handelt sich dabei um eine traditionelle Branche, die fast ausschließlich mittelständisch ist. Während früher noch zwischen Textil- und Bekleidungsindustrie unterschieden wurde, ist das heute nicht mehr üblich. Dennoch ist die Textil- nicht mit der Modebranche gleichzusetzen. So kamen bereits 2008 52 Prozent des Umsatzes durch technische Textilien zustande. Stoffe finden sich fast überall, so etwa in der Automobilbranche, in der Luft- und Raumfahrt und auch in der Pharmaindustrie.

Weil viele Hersteller ihre Produktionsstätten auslagern, ist vor allem die Bekleidungsindustrie in Deutschland, in den vergangenen Jahrzehnten, in eine Krise geraten. Zwischen 1995 und 2006 hat sich die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland um 61 Prozent verringert und der Anteil der Eigenanfertigungen ist bis 2009 auf unter 5 Prozent gesunken. Produziert wird hauptsächlich in Osteuropa und Fernost. Dennoch solltest Du dich nicht davon abschrecken lassen dir diese Branche genauer anzuschauen, denn die Initiative „Vision 2020“ sagt voraus, dass die Industrie in Zukunft wieder nach Europa zurückkehrt und qualifizierte Arbeitskräfte benötigt werden. Im Jahr 2009 waren demnach auch 130.000 Mitarbeiter in der Textil- und Bekleidungsbranche tätig, Tendenz wieder steigend.

Nur ein Drittel der Industrie ist tatsächlich für die Bekleidungsbranche zuständig, die anderen zwei Drittel entfallen auf die allgemeine Textilindustrie. Du kannst Dir einen feinhandwerklich, kreativen Beruf aussuchen, dich für eine gewerbliche oder kaufmännische Ausbildung entscheiden oder eine technische Richtung einschlagen. Um einen ersten Eindruck zu bekommen, welcher Job zu Dir passen könnte, hat der Job Navigator die wichtigsten Kategorien für Dich aufgelistet.  

Voraussetzungen und Qualifikation

Besondere Anforderungen an einen Schulabschluss gibt es in dieser Branche zumeist nicht. Du hast sowohl mit einem Haupt- wie auch mit einem Realabschluss gute Chancen einen Ausbildungsplatz zu bekommen, da vor allem in den feinhandwerklichen Berufen ein hohes Maß an Kreativität den Ausschlag gibt. Dennoch ist in einigen Berufen ein höherer Bildungsgrad notwendig, speziell bei technisch anspruchsvollen Tätigkeiten. Sehr wichtig in diese Branche sind Weiterbildungen, deswegen solltest Du auch zu lebenslangem Lernen bereit sein.  

Handwerklich-kreativ

Bist Du handwerklich begabt und begeisterst Dich für Textilien aller Art, dann findest Du in der Textil- und Bekleidungsindustrie ganz sicher den passenden Beruf. Eine Tätigkeit, bei der diese Fähigkeiten gefragt sind, ist Modenäher. Als Modenäher ist man dabei nicht nur für die Fertigung von Kleidung, sondern auch für weitere Textilien zuständig. Arbeit findet sich demnach in der Industrie oder in Änderungsschneidereien und -servicen. Die Ausbildung erfolgt wahlweise schulisch oder in einem Betrieb und dauert zwei Jahre. Ein besonderer Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben und wird von vielen Betrieben auch nicht verlangt. 2011 entfielen auf die 227 offenen Stellen 35 Prozent auf Schüler mit einem Hauptschulabschluss, 42 Prozent wurden an Absolventen der Mittlere Reife vergeben und 6 Prozent wurden sogar durch Bewerber ohne Bildungsabschluss besetzt. Nach der Ausbildung ist es möglich, sich zum Modeschneider weiterbilden zu lassen.

Weitere Berufe, die ein gewisses Maß an Kreativität und feinhandwerklichem Geschick verlangen, sind etwa Weber und Hutmacher (beides sind duale Ausbildungen und dauern drei Jahre). In jedem dieser Berufe hast Du dabei die Möglichkeit, Dich kreativ zu entfalten. 

Gewerblich-kaufmännisch

Es ist nicht nur wichtig, Textilwaren herzustellen, sie müssen auch vermarktet und verkauft werden. Auch in diesem Bereich gibt es zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten. Eine davon ist die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel (Textil). Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und wird dual ausgeführt. An erster Stelle steht bei diesem Beruf der Umgang mit den Kunden, weswegen Freundlichkeit und kommunikativen Geschick Grundvoraussetzungen sind. Neben dem Umgang mit Menschen ist auch ein gewisses Verkaufstalent von Vorteil. Ebenfalls musst Du sorgfältig und gewissenhaft mit Geld umgehen können. Auch hier gibt es keinen vorgeschriebenen Abschluss. 2011 wurden 35 Prozent der 33.220 offenen Stellen mit Hauptschulabgängern und 49 Prozent mit Realschulabsolventen besetzt.

Aufbauend auf die einer kaufmännische Ausbildung, besteht auch die Möglichkeit, sich zum Einkäufer im Textilbereich weiterzubilden. Bei diesem Beruf geht es hauptsächlich darum die Ware zu beschaffen, die vom Unternehmen verkauft werden soll. Zu den Aufgaben gehört es außerdem Kundenanalysen anzufertigen und in Sachen Trends immer auf dem laufenden zu sein. Weitere Möglichkeiten im gewerblich-kaufmännischen Bereich finden sich unter anderem als Abteilungsleiter oder als Assistent der Geschäftsleitung.

Technisch

Ohne Technik geht auch in der Textil- und Bekleidungsbranche schon lange nichts mehr. Wenn Du lieber mit Maschinen arbeitest, solltest Du Dich in diesem Bereich bewerben. Eine mögliche Ausbildung ist die zum Textilproduktionsmechaniker. Technisches Verständnis ist hier sehr wichtig, da Du für sämtliche Maschinen zuständig bist. Ebenso solltest Du auch eine gute Motorik für die Bedienung der Gerätschaften mitbringen und konzentriert arbeiten können. Es wird auch hier kein bestimmter Schulabschluss vorausgesetzt. 2010 fanden 42 Prozent der Hauptschul- und 48 Prozent der Realschulabgänger eine Stelle.

Ein ähnlicher Beruf ist der des technischen Konfektionärs. Hier bist du verantwortlich für das textile Material und musst mit deinem mechanischen und technischen Verständnis dafür sorgen, dass Zuschnitt und die Verarbeitung gewissenhaft ausgeführt, werden. Unter anderem stellen technische Konfektionäre Zelte und Planen her. Außerdem bist Du als technischer Konfektionär für das Bedienen und Überwachen von Maschinen zuständig. 2010 waren über die Hälfte der eingestellten Azubis hier Hauptschulabsolventen.

Weitere Bereiche

Bei den angeführten Berufen handelt es sich nur um eine kleine Auswahl der Möglichkeiten. Weitere Einsatzgebiete finden sich unter anderem in der Mechatronik, als Textillaborant und als Textilproduktprüfer. Wenn Dein Interesse an der Textil- und Bekleidungsbranche geweckt wurde, kannst Du Dich weiter beraten lassen, welche Ausbildung genau für dich infrage kommt.

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