Arbeitsmarkt und Chancen

Das Handwerk ist eine große Branche, die auch in Zukunft bedeutsam sein wird. 2011 waren 5.224.689 Menschen in handwerklichen Berufen beschäftigt. Du fragst Dich vielleicht, was Handwerk überhaupt ist. Das ist eine gute Frage, denn die Übergänge zwischen Handwerk und Industrie sind fließend. Teilweise werden Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten dem Handwerk zugeschrieben und alle weiteren, die darüber liegen der Industrie. In Deutschland ist dies jedoch unüblich. Hier wird zumeist anhand der Zugehörigkeit entschieden ob es sich um Industrie oder Handwerk handelt.
Einsatzgebiete und Ausbildungsmöglichkeiten gibt es hier zahlreich. Handwerkliche Berufe finden sich annährend in jeder Branche. So kannst Du etwa in das Holz-, das Metall- und Elektro-, sowie ins Sanitärgewerbe einsteigen. Im Folgenden wirst Du einige Ausbildungen kennenlernen, von denen Du vielleicht noch gar nichts wusstest.

Obwohl das Handwerk auch in Zukunft stark gefragt sein wird, gibt es auch hier gewisse Risiken. Die Anzahl der Auszubildenden ist zwischen 2001 und 2011 von 190.000 auf 155.000 gesunken. Erwartet wird, dass die verarbeitenden Berufe, und dazugehört das Handwerk, bis 2030 etwa 800.000 Arbeitsplätze abbauen. Im Gegensatz zu anderen Branchen geht es dem Handwerk damit dennoch noch gut. Aufgrund der steigenden Zahl an fehlenden Fachkräften lohnt eine Ausbildung hier auf jeden Fall.

Mögliche Einsatzorte sind aufgrund der Vielfalt an Möglichkeiten vielerorts zu finden. So gibt es Arbeit in Maler- und Lackiergewerben, Dachdeckereien, zahntechnischen Werkstätten, bei Möbelherstellern oder bei Bautischlereien. Dies ist aber nur eine sehr kleine Auswahl an möglichen Einsatzgebieten. Alle handwerklichen Ausbildungen darzustellen, ist fast unmöglich, daher findest Du hier eine Aufstellung einiger spannender Berufe. Aufgeteilt sind sie nach Gewerbe. 

Qualifikation

Bestimmte Qualifikationen gibt es keine und die Art des Schulabschlusses hängt stark mit der Auswahl des Berufs zusammen. In der Vergangenheit reichte es meist einen Hauptschulabschluss, aber inzwischen gibt es auch handwerkliche Berufe, in denen die Mittlere- oder sogar die Hochschulreife gefragt ist.

Des weiteren gibt es handwerkliche Berufe, die körperlich sehr anstrengend sind. Auch Allergien gegen chemische Reinigungsmittel, Holz oder Lacke sollten vor Beginn einer Ausbildung ausgeschlossen werden.

Elektro- und Metallgewerbe

Neben handwerklichem Geschick ist hier auch technisches Verständnis gefragt, denn viele Anlagen besitzen bereits neue, innovative Technologien, die es zu bedienen gilt. Dennoch gibt es in dieser Richtung Berufe, die verstärkt handwerklich oder hauptsächlich technisch sind. Eine eher handwerklich anspruchsvolle Ausbildung ist die zum Graveur. Du bearbeitest die verschiedensten Materialien, etwa Metall, Glas oder Keramik. Bei der Eingravierung von Motiven brauchst Du eine ruhige Hand. Wichtig sind daneben auch Mathematik- und Kunstkenntnisse. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird dual vermittelt. Es ist kein Schulabschluss vorgeschrieben und 2010 wurden zu 50 Prozent Realschulabsolventen eingestellt. Auch Hauptschüler haben eine gute Chance einen Ausbildungsplatz zu finden, denn von den Anfängern 2010 besaßen 33 Prozent diesen Abschluss.

Magst Du es lieber technischer, dann ist vielleicht die Ausbildung zum Teilezurichter genau das Richtige für Dich. Die Ausbildung wird dual in zwei Jahren vermittelt. Einsatzmöglichkeiten sind zum Teil Werkstätten, aber die Einsatzgebiete können variieren. Bedenke bei Deiner Entscheidung, dass hier auch Reise- und Montagebereitschaft gefragt ist. Als Teilezurichter bist Du für die Fertigung und Montage verschiedener Teile zuständig. Dafür nutzt Du nicht nur Deine Hände, sondern teilweise auch Maschinen. Deswegen ist es hier auch von Bedeutung, dass Du ein technisches Grundverständnis und -Interesse mitbringst. Eingestellt wurden 2010 vorrangig Hauptschüler. Ihr Anteil lag bei 71 Prozent. Des weiteren waren 14 Prozent der Auszubildenden sogar ohne Schulabschluss. 

Holzgewerbe

Holz spielt beim Handwerk eine große Rolle und wird auch oft mit dem Beruf zuallererst in Verbindung gebracht. Wenn Du kreativ bist und viel Gestaltungsfähigkeit besitzt, ist das Holzgewerbe vielleicht richtig für Dich. Der Beruf des Tischlers ist zumeist bekannt, anders sieht es da schon mit der Ausbildung zum Böttcher aus. Als solcher bist Du dafür verantwortlich Behältnisse für Flüssigkeiten anzufertigen. Du stellst für Industrie und Handel Fässer in den verschiedensten Größen her. Zumeist handelt es sich hier um grobhandwerkliche Arbeit, die auch mithilfe von Maschinen und Spezialwerkzeugen abläuft. Technisches und handwerkliches Geschick werden ebenso gebraucht wie Mathematikkenntnisse. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und das Wissen wird dual vermittelt.

Eigene Ideen einbringen und Dich kreativ austoben kannst Du Dich bei der Ausbildung zum Holzspielzeugmacher. Einsatzmöglichkeiten bieten sich Dir in speziellen Werkstätten und Kunsthandwerksbetrieben. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird dual unterrichtet. Interessierst Du Dich für diesen Beruf, ist neben Kreativität ein Talent für Werken sinnvoll. Auch Technikverständnis wird gefordert, denn Du bedienst auch Maschinen für die Herstellung von Holzspielzeug. Ein besonderer Schulabschluss wird hier nicht gefordert. Eventuell kannst Du Dich auch ohne jeglichen Abschluss bewerben.

Sanitär- und Reinigungsgewerbe

Bei Reinigungs-, und vor allem bei Sanitäranlagen sind Handwerker gefragt. Anlagen müssen gepflegt, gereinigt und repariert werden. Ein Beruf in diesem Sektor ist der des Textilreinigers. Hier bist Du für die verschiedensten Textilien zuständig und entfernst Verunreinigungen, aber bügelst beispielsweise auch. Du bedienst für die Reinigung hauptsächlich Maschinen, es kann jedoch vorkommen, dass Deine Handarbeit gefragt ist. Auch die Kundenberatung gehört zu Deinem Aufgabengebieten. Arbeit findest Du in Reinigungsbetrieben und Wäschereien. Vorteilhaft sind hier Kenntnisse in allen MINT-Fächern, aber vorrangig in Chemie. Du kommst viel mit chemischen Reinigungsmitteln in Berührung, da Du etwa auch Waschmittel selbst anmischt. Es wird kein spezieller Schulabschluss gefordert und 2010 verfügte der Großteil der Neuanfänger über einen Hauptschulabschluss.

Der Sanitärbereich ist sehr umfangreich und bietet Dir zahlreiche Möglichkeiten. Eine Ausbildung, die Du beginnen kannst, ist die des Anlagemechanikers für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik. Deine Aufgabe bei dieser dreieinhalbjährigen, dualen Ausbildung liegt darin, verschiedene Versorgungssysteme zu installieren. Dabei arbeitest Du mit Blechen, Rohren und Metall und zwar sowohl manuell wie auch maschinell. Du hast hier viel Kundenkontakt, gehst größtenteils in die Wohnung von Kunden. Daher ist es wichtig, dass Du keine Scheu vor anderen Menschen hast und freundlich bist. In diesem Bereich sind auch die MINT-Fächer Teil der Voraussetzungen, die Du erfüllen solltest. Gefragt sind vor allem Mathematik und Physik. Daneben ist es sinnvoll, wenn Du ein ausgeprägtes Interesse und Talent für Technik hast.  

Farb-und Raumtechnik und unterschiedliche Gewerbe

Wie bereits erwähnt gibt es nicht nur viele Berufe, sondern es ist nicht immer einfach, sie einem bestimmten Bereich zuzuordnen. Eine dieser Ausbildung ist etwa die zum Glas- und Porzellanmaler. Du bemalst und verfeinerst Gegenstände aus Porzellan und reparierst und restaurierst diese gegebenenfalls auch. Kreativität ist bei diesem Beruf die wichtigste Fähigkeit, die Du mitbringen solltest. Auch hier ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Die Dauer der Ausbildung beträgt drei Jahre und wird dual vermittelt.

Es bieten sich Dir weiterhin Möglichkeiten etwa eine Ausbildung zum Keramiker, zum Augenoptiker, zum Maler und Lackierer, zum Glaser oder etwa Uhrmacher zu absolvieren. Die Liste ist beliebig ausbaubar, und wenn Dein Interesse an diesem Bereich erwacht ist, kannst Du Dich an die Schule, die Berufsberatung oder auch spezielle Verbände wenden, die Dir weitere Informationen geben können.

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